nur um den Liebsten zu den Festtagen etwas Besonders zu bieten wird in einigen Familien stundenlang gebraten, gebrutzelt, gebacken. Etwas Besonderes, das wollten auch wir… Um endlosen Diskussionen zu entgehen, für wen welches Essen das perfekte Weihnachtsessen ist und welche Zutaten in welcher Zusammensetzung welcher Person nicht so besonders gut schmecken, beschlossen wir am ersten Weihnachtstag mit der ganzen Familie ein Restaurant aufzusuchen…
Die perfekte Lösung – dachten wir… Kein stundenlanges Schlangestehen im Supermarkt, keine Vorbereitungen, die bereits am frühen Morgen begonnen werden müssen, kein Abwasch und keine chaotische Küche… Dafür eine ruhige Anfahrt auf menschenleeren Straßen, freundliche Bedienung im Restaurant und hervorragend zubereitete Wildgerichte…
Nach unserer anstrengenden Trainingseinheit freuten wir uns auf diesen Abend wie sich sonst nur kleine Kinder auf das Christkind freuen…
Nach der etwas hektischen Begrüßung wurde uns der reservierte Tisch zugewiesen und die Getränkebestellung freundlich aufgenommen… Der perfekte Start in einen perfekten Abend!
Doch schon mit der Ausgabe der Speisekarte begann der Abend eine Wende zu nehmen. Statt der uns bekannten und geschätzten Speisekarte, die allerhand Leckereien und Besonderes bietet, gab es eine stark eingeschränkte Karte, die ein wenig an eine “gehobene Imbissbude” erinnerte…
Schnitzel und Rumpsteak statt Hasenrücken und Wildschweinbraten! Enttäuscht suchten wir schließlich das aus, was unserer Vorstellung von einem perfekten Weihnachtsessen am Nächsten kam und beschlossen uns die guten Laune nicht verderben zu lassen… Nicht am Weihnachtstag!
Auch die Getränkebestellung – die etwa 35 Minuten auf sich warten ließ, schaffte es nicht uns diesen besonderen Abend zu trüben! Nein, so schnell nicht…
Nach einer Stunde servierten die Service-Fachkräfte die bestellten Gerichte… Schlagartig wurde es still – auf den Gesichtern zeichnete sich eine Mischung aus Fassungslosigkeit, Verwirrheit und Ekel ab: das bestellte Rumpsteak in Pfefferrahm – Medium - ein grauer Lappen, von innen noch blutig?
Da muss eine Verwechslung vorliegen, dachten wir – und baten den für uns zuständigen Kellner um das von uns bestellte Essen! Nach einer knappen Antwort: “Medium ist hier immer so, der Herr! Ich weiß gar nicht, was sie haben?”drehte sich der Kellner um und verschwand. Wir riefen den nächsten Kellner, baten ihn das Essen wieder mitzunehmen…
Noch während wir uns wunderten warum es für drei Gerichte die mit Kroketten als Beilage serviert wurden, nur eine kleine Schale Kroketten gab, wurde das Rumpsteak nachgeliefert: unter kaltem Wasser von der Sauce befreit und noch einmal kurz in die Pfanne geschmissen, lag das angegessene Stück auf einem frischen Teller!
Wir ließen auch dieses Gericht zurückgehen und wagten es nach den Beilagen zu fragen… Die Antwort, dass wir ja schließlich an einem Tisch sitzen und diese Schale herumgehen lassen können und außerdem jederzeit Beilagen nachfordern können, falls es nicht für drei Personen reicht, war dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte… Für knapp 20 Euro pro Gericht erwarten wir da einfach mehr! Vielleicht zuviel? Wer weiß?
Gewinner des Abend war Border-Collie Benny, der sich über ein Putensteak (von Sehnen durchzogen) in raffiniert-fruchtiger Sauce (eine Scheibe Dosenananas mit einem halben Dosenpfirsich) freute…
Wir verbrachten dann doch noch einen schönen Abend – daheim improvisiert bei Kaffee, Espresso, Tankstellen-Bier, Weihnachtsplätzchen, Stollen und diversen Resten…